Ich habe mir vor ein paar Tagen mal das Kamasutra durch geschaut und gelesen, ja nicht nur Bilder
geguckt sondern auch gelesen.
Für die wenigen die das Kamasutra noch nicht kennen, es gilt als eine der ältesten und
maßgeblichen schriftlichen Quellen zu sexuellen Techniken und Liebeslust und wurde ursprünglich
im vierten Jahrhundert nach Christusverfasst.
Es wurde von einem Brahmanen und Religionsgelehrten namens Vatsyayana zusammengestellt, der
sein Material in Lehrbüchern sammelte, die auf das vierte Jahrhundert vor Christus zurückgehen.
Seitdem wurde das Werk mehrmals aktualisiert und ergänzt und in vielen Sprachen übersetzt.
Das Kamasutra kannte ich von Hören her schon recht lange wie auch durchs Fernsehen doch als ich
es mir nun mal wirklich selbst ansah und zu lesen begann, war ich aus zwei Gründen überrascht.
Der erste Aspekt dieses fazinierenden und umfangreichen Buches, der mich schockierte, war die
freizügige Einstellung zum Sex im alten Indien. Die Darstellung des Liebesakts zwischen Männern
und Frauen in diesem Buch warf bei mir die Frage auf, warum und wie Sex heut zu tage so zum
Tabuthema werden konnte, das es oft ist.
Außerdem befasst sich das Kamasutra offen mit Themen wie Liebesaffären, Ehe, Ehebruch, Bigamie,
Gruppensex, Prostitution, Sadomasochismus, männlicher und weiblicher Homosexualität und
Transvestismus.
Der zweite Aspekt, der mir beim Lesen auffiel, war die Tatsache, wie nutzlos diese Anleitungen für
uns Frauen sind.
Damit will ich das Buch nicht schlecht machen im Gegenteil es ist äußerst faszinierend.
Zudem ist es auch sehr unterhaltsam und bietet eine wunderbare detaillierte Darstellung der alten
indische Kultur.
Das Kamasutra beschreibt die drei damals aktuellen Ziele im Leben eines Mannes (Tugend, Reichtum,
Liebe) und wie sie durch die Erotik erreicht werden können.
So beschreibt das Buch zb. das Leben eines wohlerzogenen Bürgers (er musste regelmäßig baden
und in seinen Zimmer ein separates Bett für Prostituierte haben), und es wird die feine Kunst, eine
Frau zu verführen erklärt (einschließlich Anweisungen dazu, wie man ihren Rücken und ihren Kopf
kratzt, zärtlich beißt und anpustet).
Das Buch bietet sogar Ratschläge und die richtige Etikette für besonders delikate Situationen wie
zb. den Umgang mit mehr als einer Ehefrau und die Verführung der Ehefrauen anderer Männer.
Die im Kamasutra dargestellte indische Kultur legte großen Wert auf sexuellen Ausdruck und
Erfüllung. Erotisches Vergnügen galt als göttlich, und der Wunsch, Genuss zu schenken, war genauso
wichtig, wie Vergnügen zu empfangen. Dennoch wurde das Buch eindeutig nur aus männlicher Perspektive
geschrieben. Obwohl den Techniken, mit denen einer Frau Lust bereitet werden kann, sehr viel
Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Doch hier wird schnell offensichtlich, dass die weitergegebenen Informationen eher auf Beobachtung
als auf Gesprächen zwischen den Partnern beruhen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Frauen damals
tatsächlich gefragt wurden, was sie nun in diesen Zustand der Extase versetzt. Ich möchte euch ein
Beispiel geben. Teil zwei des Kamasutra widmet sich " amourösen Avancen ". Dies ist ein
Ausschnitt aus dem Kapitel Umarmungen:
>>Auf seiner Seite liegend, lässt er sein bestes Glied auf ihr wie auf einer Zuchtstute ruhen, oder er liegt
auf ihr, wobei der Teil seines Körpers unterhalb des Nabels auf der Scham des Mädchens ruht, und er
presst sein Instrument an seinen Körper, ohne in es einzudringen. In diesem Augenblick öffnet sich das
Geschlecht des Mädchens, übererregt, speziell wenn es ein großes Organ hat.
Die Lenden fest gegen die Scham des Mädchens stoßend, packt er es bei den Haaren und hockt über
ihm, um es zu kratzen, zu beißen und zu schlagen.<< Hört sich das für euch nach vergnügen und Lust an? Selbst wenn man hin und wieder nichts gegen ein wenig Grobheit beim Liebesspiel hat oder sich gerne mal den Po versohlen lässt, würde es mir nicht gerade gefallen, wie eine Zuchtstute fest gehalten und gekratzt, gebissen und geschlagen zu werden. Trotz dieser Behandlung wurden Frauen in Vatsyayanas ursprünglicher Version des Kamasutra hoch geschätzt. Das Buch weist eindeutig darauf hin, dass es aus der Sichtweise des Mannes als Ehre galt, von einer Frau begehrt zu werden, und die Verführung einer Frau galt als Form der Kunst. Doch die Kunst ist und war schon immer ein subjektives Phänomen, wie wir alle wissen, und die Perspektive des Mannes ist für die Frau nicht unbedingt gleichbedeutend mit Vergnügen. Ich wollte euch mit diesem Auszug aus dem Kamasutra zeigen, wie leicht es ist, im Bereich Sexualtechnik irrelevante Informationen zu erhalten. Ich lernte zwar viel über die indische Kultur im vierzehnten Jahrhundert und erhielt einige sehr interessante Tipps zu sexuellen Positionen, aber insgesamt entsprach das Buch nicht meinen Erwartungen. Nicky Woo
xoxo
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